Gnarrenburg. Felder, Moorflächen und Wälder unterschiedlichster Art: Was die Gemeinde Gnarrenburg landschaftlich prägt, ist für die Feuerwehr zugleich eine besondere Herausforderung. Am Samstag, den 08. August, haben deshalb alle elf Ortsfeuerwehren der Gemeinde rund um das Feuerwehrhaus Gnarrenburg gemeinsam einen Ausbildungstag zur Vegetationsbrandbekämpfung absolviert. Über 60 Einsatzkräfte wurden in drei Zügen an drei Stationen geschult.
Ein Blick auf die Flächenverteilung der Gemeinde macht deutlich, worum es geht: Von den rund 123 Quadratkilometern Gemeindegebiet entfallen etwa 65 Prozent auf landwirtschaftliche Flächen, gut 11 Prozent auf Wald und knapp 9 Prozent auf Moor- und Heideflächen. Daraus ergibt sich ein Gefahrenpotential, das sich in der Vergangenheit bereits mehrfach gezeigt hat. Die Brände in Augustendorf 2009, Karlshöfen 2020 und Kuhstedt 2023 sind vielen Einsatzkräften noch gut in Erinnerung.
Vegetationsbrände unterscheiden sich in ihrer Dynamik deutlich von einem Gebäudebrand: Wetter, Vegetation und Geländeform beeinflussen den Brandverlauf oft schneller, als es die Einsatzkräfte vor Ort korrigieren können. Genau deshalb hat eine Arbeitsgruppe der Gemeindefeuerwehr unter Leitung von Patrick Böhm von der Ortsfeuerwehr Karlshöfen ein eigenes „Ausbildungs- und Einsatzkonzept Vegetationsbrandbekämpfung“ erarbeitet. Das Konzept entstand auf Basis aktueller Fachempfehlungen, heruntergebrochen auf die örtlichen Gegebenheiten.
Ziel ist eine einheitliche taktische Ausrichtung und eine einheitliche technische Ausstattung in allen Ortsfeuerwehren. So lassen sich die Einheiten im Einsatzfall nahezu gleichwertig einsetzen.
Damit das Konzept nicht Papier bleibt, wurde Material nach dem festgelegten Ausstattungsschema „Modell Gnarrenburg“ beschafft und an die Ortsfeuerwehren verteilt. Dazu gehören:
- Löschrucksäcke, mit denen sich auch abseits der Fahrzeuge mit wenig Wasser wirksam arbeiten lässt
- Handwerkzeuge: McLeod-Tools, Wiedehopfhacken und Sandschaufeln
- D-Schläuche und D-Strahlrohre samt Verteilern und Übergangsstücken, verlastet in einem Rucksack
- Faltbehälter als zentraler Löschwasserpuffer
- Erweiterte Schutzausrüstung: Flammschutzhauben, Schutzbrillen und Masken, dazu Sonnen- und Insektenschutz sowie Signalpfeifen und Ferngläser
Besonders das D-Material widerspricht dem gewohnten Bild: Bei einem Vegetationsbrand sind Beweglichkeit und Schnelligkeit in der Regel wichtiger als eine hohe Wasserabgabe. D-Schläuche sind deutlich leichter als C-Schläuche und kommen mit spürbar weniger Wasser aus. Das ist ein entscheidender Vorteil, wenn große Strecken zu Fuß zurückgelegt werden müssen und Löschwasser knapp ist.
Der Ausbildungstag: drei Züge, drei Stationen
Um über 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sinnvoll auszubilden, wurde die Gemeindefeuerwehr in drei Züge aufgeteilt, die die Stationen nacheinander durchliefen. Nach der Einweisung folgten an jeder Station eine theoretische Einführung und anschließend der praktische Teil. Sechs Ausbilder aus der Arbeitsgruppe betreuten die Stationen.
Station 1: Wasser dorthin bringen, wo es wirkt
Im Mittelpunkt der ersten Station stand alles rund um das Löschwasser, das außerhalb bebauter Gebiete meist knapp ist und entsprechend effizient eingesetzt werden muss.
Vermittelt wurden zunächst die taktischen Prioritäten, von der Sicherheit der Einsatzkräfte über Menschen- und Tierrettung bis hin zu den Nachlöscharbeiten, sowie die Frage, ab welcher Flammenlänge ein Feuer überhaupt noch direkt angreifbar ist. Praktisch ging es dann an den Aufbau einer Schlauchstrecke mit D-Leitungen und an das Verlängern von Schläuchen unter Druck: ein Handgriff, mit dem ein Trupp seine Leitung verlängern kann, ohne den Löschangriff nennenswert zu unterbrechen.
Hinzu kamen der Einsatz von Faltbehältern als zentralen Wasserübergabepunkt. Sie entkoppeln die Wasserversorgung von den Fahrzeugen, sodass diese nicht an der Einsatzstelle gebunden bleiben. Außerdem wurden das Anlegen eines nassen Streifens zur Riegelstellung sowie Nachlöscharbeiten mit Wasser geschult.
Station 2: Sicherheit und Löschen ohne Fahrzeug
Die zweite Station widmete sich den Gefahren an der Einsatzstelle und der Taktik, wenn kein Fahrzeug direkt an den Brand herankommt. Im Zentrum standen international etablierte Standardeinsatzregeln für Vegetationsbrände.
Praktisch geübt wurde das mobile Löschen ohne Fahrzeug: Eine Staffel bekämpft mit Handwerkzeugen und Löschrucksäcken das Feuer, unabhängig vom Standort des Fahrzeugs. Die Stärke dieser Vorgehensweise liegt in der Schnelligkeit und im geringen Wasserbedarf.
Station 3: Wald verstehen und einen trockenen Streifen anlegen
Die dritte Station fand im angrenzenden Waldgebiet statt und wurde fachlich durch den unter anderem für den Landkreis Rotenburg zuständigen Waldbrandbeauftragten der Landesforsten Niedersachsen, Gunnar Kanzenbach, unterstützt. Eine Zusammenarbeit, die das Konzept ausdrücklich vorsieht, denn der Waldbrandbeauftragte ist nicht nur im Einsatzfall Fachberater, sondern auch für Ausbildungszwecke ein wertvoller Partner.
Vermittelt wurden zunächst Brandarten und Forstbegriffe: Was unterscheidet ein Bodenfeuer vom Kronen-, Stamm- oder Untergrundfeuer? Warum ist eine junge, dichte Anpflanzung besonders gefährlich, wenn ein Bodenfeuer hineinläuft?
Der praktische Teil bestand im Anlegen eines trockenen Streifens in Handarbeit. Dabei wird eine Kontrolllinie geschaffen, an der das Feuer mangels Brennstoff an Intensität verliert.
Abgerundet wurde die Station durch die Themen Schutzausrüstung und Orientierung im Gelände.
Was die Einsatzkräfte mitnehmen
Sicherheit hat immer oberste Priorität. Oder, wie es im Konzept nüchtern formuliert ist: Es brennt „nur“ Vegetation, und was brennt, ist ohnehin verloren. Riskante Aktionen verbieten sich.
Nicht alles muss sofort gelöscht werden. Der Fokus liegt zunächst darauf, die Ausbreitung zu stoppen. Die Nachlöscharbeiten beginnen erst danach.
Der Angriff über die Flanken ist dem Angriff auf die Front vorzuziehen.
Wetter und Vegetation sind Teil der Lage und müssen fortlaufend neu beurteilt werden. Ein Vegetationsbrand kann seine Richtung und Geschwindigkeit im Einsatzverlauf mehrfach ändern.
Ein Anfang, kein Abschluss
Zum Ende des Tages kamen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur gemeinsamen Abschlussbesprechung zusammen. Gemeindebrandmeister Timm Meyer zog dabei eine positive Bilanz: Dass alle elf Ortsfeuerwehren an einem Tag nach denselben Regeln und mit demselben Material geübt haben, zahlt im Ernstfall unmittelbar auf die Zusammenarbeit ein. Sein Dank galt den Ausbildern der Arbeitsgruppe sowie allen Einsatzkräften, die ihre Zeit für die Ausbildung zur Verfügung gestellt haben.
Ein Schlusspunkt ist die Ausbildung damit ausdrücklich nicht. Das Konzept ist auf Wiederholung angelegt, und weiterführende Themen, insbesondere aus dem Führungsbereich, sollen in kommenden Ausbildungen folgen.